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Entretien avec André Dunand: Partie I
15. Mai 20264 Min. Lesezeit

Interview André Dunand: Teil I

Zurück zum Wesentlichen: Ein Treffen mit FreeTheBees

Im Rahmen des Projekts Save The Bees, das im Echo unserer Little Bee Kollektion entstanden ist, hatten wir das Privileg, den Präsidenten des Vereins FreeTheBees, Herrn André Dunand, zu treffen. Mitten auf ihrem Entdeckungspfad in Vaulruz, eingebettet in die sanften Landschaften der Gruyère, wurde dieser Austausch lebendig. Durch diese Begegnung zeigt sich eine andere Sichtweise: respektvoller, bewusster und tief im Lebendigen verwurzelt.

Der Verein FreeTheBees

FreeTheBees entstand aus einer grundlegenden Infragestellung der konventionellen Imkerei, insbesondere durch André Wermelinger, der während vieler Jahre Imker war. Im Lauf seiner Erfahrung und im direkten Kontakt mit den Bienen wurde ihm bewusst, dass es in den traditionellen imkerlichen Praktiken gewisse Widersprüche gibt und vor allem, dass es möglich wäre, es besser zu machen.

Er formulierte dabei insbesondere vier Hauptkritikpunkte. Der erste war der zu intensive Charakter der Imkerei. Der zweite betraf die Tatsache, dass die Honigproduktion Vorrang bekommen hatte, auf Kosten der Biene selbst. Der dritte betraf den Ersatz von Honig durch industriellen Zucker nach der Entnahme, was für Bienen völlig ungeeignet ist. Und schliesslich empörte ihn der übermässige Einsatz chemischer Behandlungen zutiefst.

Aus diesem Bewusstsein entstand der Verein FreeTheBees mit dem Willen, einen anderen Ansatz vorzuschlagen, der die natürliche Lebensweise der Bienen stärker respektiert.

FreeTheBees und der Schutz der Bienen

Was hat Ihr Engagement für diesen Ansatz motiviert, und welche Vision prägt heute Ihre Mission?

Ich war der Natur immer sehr verbunden und hatte eine echte Sensibilität für diese Themen. Doch lange Zeit erlaubten mir meine beruflichen Aktivitäten nicht, mich konkret zu engagieren. Erst mit meiner Pensionierung konnte ich mir endlich die Zeit nehmen, mich dem zu widmen, was mir wirklich am Herzen lag. Ich habe FreeTheBees an einer Konferenz kennengelernt und mich sehr schnell mit ihrer Mission und ihrer Vision identifiziert. Das entsprach vollkommen meiner Art, die Natur und die Welt zu sehen.

Dieses Engagement war auch eine Möglichkeit, einen Teil von mir zu verwirklichen, der lange gewartet hatte. Heute leitet uns vor allem die Idee, Bienen zu schützen, indem wir ihre natürliche Lebensweise respektieren und die menschlichen Praktiken, die sie beeinflussen, neu überdenken.

Ihre Organisation konzentriert sich gezielt auf wild lebende Honigbienen. Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Wir haben diese Wahl getroffen, weil Honigbienen direkt von den konventionellen imkerlichen Praktiken betroffen sind. Sie sind es, die Behandlungen, Manipulationen sowie Veränderungen in ihrer Nahrung und Lebensweise ertragen müssen. Deshalb benötigen sie besondere Aufmerksamkeit. Wir haben beobachtet, dass diese Praktiken reale Probleme verursachen und dass konkrete Lösungen notwendig sind.

Natürlich sind heute viele Bienenarten gefährdet. Aber wir konnten nicht alles gleichzeitig angehen. Deshalb haben wir uns entschieden, uns auf die Honigbiene zu konzentrieren, weil wir dort die grösste Wirkung erzielen können, indem wir Alternativen zu den heutigen imkerlichen Praktiken aufzeigen und ihre Situation ganz konkret verbessern.

Viele Initiativen fördern die Aufstellung zusätzlicher Bienenstöcke, um Bienen zu helfen. Wie beurteilen Sie diesen Ansatz?

Heute muss man sich bewusst machen, dass es bereits sehr viele Bienenstöcke gibt. In der Schweiz zählt man rund 18'000 Imkerinnen und Imker, was eine sehr hohe Zahl ist. Das bedeutet bereits eine sehr grosse Dichte an Bienenstöcken im ganzen Land.

Vergleicht man dies mit der Natur, ist der Unterschied frappant: In einer natürlichen Umgebung findet man in der Regel zwischen einer und fünf Bienenkolonien pro Quadratkilometer. Heute kann man in gewissen Gebieten leicht auf etwa zwanzig Bienenstöcke pro Quadratkilometer kommen. Das Verhältnis ist also enorm.

Vor diesem Hintergrund kann man sich fragen, ob es wirklich sinnvoll ist, noch mehr Bienenstöcke hinzuzufügen. Für uns lautet die Antwort eher nein. Es gibt bereits genügend Kolonien. Die Herausforderung besteht heute nicht darin, ihre Zahl weiter zu erhöhen, sondern sich um die Lebensqualität der Bienen zu kümmern.

Das bedeutet, an anderen Hebeln anzusetzen: mehr Natur, mehr Biodiversität, bessere Lebensbedingungen … Es gibt sehr viel zu tun, jenseits des blossen Aufstellens neuer Bienenstöcke.

Interview mit André Dunand und FreeTheBees

Ihre Arbeit hebt die Bedeutung natürlicher Lebensräume der Bienen hervor, insbesondere Baumhöhlen. Warum sind diese Umgebungen für ihr Überleben so wichtig?

Ursprünglich lebt die Biene in natürlichen Lebensräumen, etwa in Baumhöhlen. Der Mensch hat die Bienen aus praktischen Gründen näher zu sich geholt, insbesondere um die Honigproduktion zu erleichtern. Deshalb hat er Bienenstöcke geschaffen, die in Wirklichkeit künstliche Strukturen sind. Genau hier zeigt sich ein grundlegender Unterschied. Natürliche Lebensräume sind rund und organisch, während die von uns verwendeten Bienenstöcke eckig sind.

Das mag unbedeutend erscheinen, verändert in Wirklichkeit aber sehr viel. In einer eckigen Struktur mit rechten Winkeln zirkuliert die Luft deutlich schlechter. Dadurch entstehen stehende Zonen, Feuchtigkeit wird begünstigt und es treten häufig Schimmelbildungen auf. Und dieser Schimmel wirkt sich natürlich direkt auf die Gesundheit der Bienen aus.

Umgekehrt zirkuliert die Luft in einem natürlichen Lebensraum wie einem Baumstamm viel fliessender und natürlicher. Es gibt noch einen weiteren wesentlichen Unterschied: die Dicke der Wände. In einem Baum können die Wände 8 bis 10 cm dick sein, während sie in einem konventionellen Bienenstock eher bei 3 bis 4 cm liegen. Dieser Unterschied spielt eine zentrale Rolle bei der Temperaturregulierung. In einem natürlichen Lebensraum bleibt die Temperatur sowohl im Sommer als auch im Winter deutlich stabiler.

In einem klassischen Bienenstock sind die Bienen viel stärkeren Schwankungen ausgesetzt: zu heiss im Sommer, zu kalt im Winter.

Und das hat direkte Folgen. In einem natürlichen Lebensraum benötigt eine Kolonie zum Beispiel nur 4 bis 5 kg Honig, um über den Winter zu kommen, weil die Umgebung die Wärme besser speichert. In einem konventionellen Bienenstock kann dieser Bedarf auf über 20 kg ansteigen. Das zeigt deutlich, wie stark der Lebensraum die Art beeinflusst, wie Bienen leben, wie viel Energie sie verbrauchen und damit auch ihr Überleben.

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